Schulsport
Bayerisches Staatsministerium
für Unterricht, Kultus,
Wissenschaft und Kunst
Fachlehrplan
für den
Differenzierten Sportunterricht
TAEKWONDO
09/1995
Taekwondo
Taekwondo ist eine aus Korea stammende Kampfkunst, die verschiedene Stilrichtungen in sich verbindet. Taekwondo im Sportunterricht stellt ein realitätsbezogenes Selbstverteidigungstraining in den Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Fertigkeiten, sondern auch um psychologische und ehtische Aspekte.
In einem koedukativen Unterricht ist innerhalb der Interessengruppe nach Geschlechtern zu trennen.
1 Gesundheit ( GE )
Taekwondo trägt zur Gesundheit insbesondere durch die Verbesserung der Kraftausdauer und Beweglichkeit bei. Die Schüler lernen zudem, sich gewandt zu bewegen und sich reaktionsschnell auf die Aktionen des Angreifers einzustellen. Um das Verletzungsrisiko zu verringern, sind vorbereitende und ausgleichende, den gesamten Körper umfassende Lockerungs-, Dehn- und Kräftigungsübungen notwendig. Die Schüler sollen zudem grundlegende Sicherheits- ( z. B. sorgfältiges Aufwärmen) und Hygienemaßnahmen (z. B. Körperpflege, Entspannung durch richtige Atemtechnik) kennenlernen und Grundkenntnisse über die richtige Ernährung bei Kraftausdauer- sportarten ( z. B: erhöhte Eiweißzufuhr) erwerben.
Taekwondo soll über den Unterricht hinaus zu einer realistischen Selbstein-schätzung, Selbstsicherheit, Selbstdisziplin, Ausgeglichenheit und damit zu einem stabilen Selbstwertgefühl der Schüler beitragen. Obwohl manchmal ein selbstsicheres Auftreten die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verringern kann, dürfen die Schüler nie der Illusion verfallen, dass ihnen durch das Taekwondo-Training nun nichts mehr passieren könne.
2 Fairness, Kooperation
Das Vertrauen in die Disziplin und Aggressionskontrolle des Partners eröffnen besondere Möglichkeiten einer Sozialerziehung durch Taekwondo. Bei den Partnerübungen des Taekwondo müssen Angriffstechniken kontrolliert ausgeführt werden (d. h. sie werden vor der Berührung des Partners abgestoppt).
Den Schülern soll die Verletzbarkeit des anderen bewusst bleiben und sie sollen die Verhältnis-mäßigkeit von zur Selbstverteidigung eingesetzten Taekwondotechniken einschätzen lernen. Der koedukative Unterricht beinhaltet die Möglichkeit, sich mit geschlechts-spezifischen Sichtweisen von Verteidigungssituationen auseinanderzusetzen und so gegenseitiges Verständnis zu wecken. Als fernöstliche Budosportart erzieht Taekwondo die Schüler zu einem von gegenseitiger Achtung und Respekt geprägten Umgang miteinander.
3 Umwelt
Das Schulumfeld der Schüler wird in realitätsnahen Übungssituationen mit einbezogen. Hierbei werden die Schüler zu schonenden Umgang mit den Geräten und zur Sauberhaltung der Übungsstätten angehalten.
4 Leisten, Gestalten, Spielen
4.1 Einführung
Technik und Taktik
Grundstellungen (z. B. Moa-Sogi, Ap-gubi)
Block- und Abwehrtechniken (z. B. Arae-makki, Momtong-makki)
Hand- und Armtechniken (z. B. Baro-jirugi, Bandae-Jirugi)
Beintechniken ( z. B. Ap-chagi, Dollyo-chagi)
Einfache Formen des Abwehrens und Ausweichens
Die erlernten Techniken werden in vorbereitenden Übungen und Partnerübungen verfeinert und gefestigt und in Basiskombinationen, Selbstverteidigungssituationen (Hosinsul) und im Einschritt-Kampf ohne Kontakt (Sebon-Kyorugi) angewendet.
Kondition und Koordination
Verbesserung der Kraft, Kraftausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit, Gewandtheit,
der Gleichgewichts-, Reaktions- und Antizipationsfähigkeit durch altersgemässe
Spiel- und Trainingsformen.
Theorie
Hinweise zur Geschichte, kulturellen Bedeutung und Philosophie des Taekwondo;
Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zu anderen fernöstlichen Budo-Sportarten;
Zeremoniell und Etikette; koreanische Fachausdrücke (Grundbegriffe).
4.2. Fortführung
Technik und Taktik
Die unter 4.1 erlernten Grundtechniken werden unter höherer Belastung und in komplexen Übungs- und Spielformen vertieft und erweitert;
Block- und Abwehrtechniken ( z. B. Hansonual-olgul-makki )
Hand- und Armtechniken ( z. B. Palkup-yop.chigi )
Beintechniken ( z. B. Naeryo-chagi )
Die Techniken werden in komplexeren Bewegungskombinationen (Poomse) und im abgesprochenen Kampf ( Kyorugi ) geschult. Weiter wird das taktische Verhalten bei einem unmittelbar bevorstehenden oder in der Ausführung begriffenen Angriff geübt.
Kondition und Koordination
Die Anforderungen an die Kraft, Kraftausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit und an die koordinativen Fähigkeiten ( v. a. Reaktionsfähigkeit ) werden erhöht.
Theorie
Trainingsmethoden, Bewegungsanalyse und Fehlerkorrektur, anatomische und
Physiologische Wirkungen der Taekwondo-Techniken; ethisch-moralische und
rechtliche Aspekte ( z. B. Bestimmungen zu Körperverletzung und Notwehr im
Strafgesetzbuch ); persönlichkeits- und sozialpsychologische Aspekte.